Mein Leben als Schriftsteller
Posted on März 17th, 2010 at 5:33 pm by jaffa

Beim Cynxpire über einen äußerst instruktiven Link gestolpert:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/32982

Find’ ich gut. Hier der erste Entwurf für den Klappentext meines nächsten Bestsellers:

“Lebte in einer Höhle am Waldesrand und einer Wäschekammer in Hamburg. Arbeitete u.a. als Rollenspielmonster und Spielerquälerin, am Bau, als Qualitätsjournalistin und umsonst.
Wurde von einer Muse mit vorgehaltener Waffe zum Bloggen gezwungen.
Verlangte für ihr Erstlingswerk einen Preis von 3,50 Euro. Nach Erhalt der Siegerurkunde im Wortjonglieren wird sie ihr Leben ganz dem Schreiben widmen.”

Oder so.
J.


We’re all mad here
Posted on September 12th, 2009 at 9:28 pm by jaffa

Gestern am späten Nachmittag bin ich aufgewacht und wusste nicht, welcher Tag ist. Nicht, dass das sonderlich bemerkenswert wäre. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn ich mit dem Kugelschreiber in der Rechten und dem TippEx-Roller in der Linken aufgewacht wäre und beim Aufsetzen laut “Beschlossen und verkündet” gerufen hätte.
Was mich viel mehr irritierte war, dass ich mir sicher war, kurz zuvor noch in einem dunklen Zimmer mit Holzvertäfelung gesessen zu haben, zusammen mit einer Handvoll Leute, die ich nicht kannte und die, bewacht von einer Art Hausdrachen in Bluse und buntem Rock, über irgendwelchen Zetteln hingen und arbeiteten. Das heißt, ich selbst saß gar nicht, ich stand – weil ich allein nämlich keinen Aufgabentext bekommen hatte. Und genau das versuchte ich dem Hausdrachen klar zu machen. Der aber war der Meinung, man hätte mir ein Exemplar zugeschickt, ganz sicher und bestimmt. Nachdem ich ihr mit Nachdruck erklärt hatte, dass ich, ganz sicher und bestimmt, keinen Aufgabentext bekommen hätte und ich jetzt endlich auch mit der Klausur beginnen wolle, setzte sie sich seufzend in Bewegung.
Nach ein paar Minuten kam ein grauer Mann herein und übergab dem Drachen einen braunen Umschlag. Sie gab ihn an mich weiter. Ich öffnete ihn, zog das Papier heraus und starrte auf den Text. Die Gemütslage, in die mich der Blick auf das Papier versetzte, lässt sich im Nachhinein irgendwie schwer beschreiben. “Das ist eine Soziologiearbeit”, sagte ich zu dem Drachen. “Und sie ist über Alice im Wunderland”. Der Drache sah mich über den Rand ihrer Brille an. “Und?”

In dem Moment bin ich aufgewacht. Überflüssig zu sagen, dass ich nie Soziologie studiert habe. Wollte ich auch nie. Down the Rabbit Hole, through the Looking-Glass. Vielleicht sind die Gebrüder Grimm auf ähnliche Weise schließlich zum Märchen schreiben gekommen. 2 Wochen Klausuren.
It messes with your mind.

 

Alice’s Adventures in Wonderland, by Lewis Carroll

J.


Helden sagen
Posted on August 18th, 2008 at 3:40 pm by jaffa

Ich bin sehr viel eher in Dark Future- und Endzeitsystemen zu Hause als in High Fantasy-Systemen. Manchmal wandere ich aber schon durch andere Welten, denn wenn man mal die (momentan wirklich seltene) Gelegenheit zum Spielen hat, dann sagt man ja nicht Nein, ne?!

Also habe ich mich für viel zu wenig Lohn anwerben lassen, das Böse in Aventurien zu bekämpfen. Die große Preisfrage war: Wie infiltriert man im Jahre 28 nach Hal mit einer zum Teil wenig kampferprobten Gruppe von 6 Mann am besten die hinter der Trollpforte liegenden, dämonenverseuchten Schwarzen Lande. Die richtige Antwort wäre “Gar nicht” gewesen, aber auf sowas kommen Helden ja nicht.
Hier nähern wir uns auch schon meinem eigentlichen Problem. Denn wenn ich nicht zum Spielen komme, beschäftige ich mich im Grunde nur mit Shadowrun oder ähnlichen Settings, nicht mit DSA. Beiläufig hatte ich ja schon einmal erwähnt, dass mein liebster Charakter ein SR-Strassensamurai ist. Um auf den Punkt zu kommen: Der Wechsel von einer wenig gottesfürchtigen und respektlosen Cyberpunk-Attitüde hin zum gläubigen DSA-Helden verlief diesmal (zumindest Anfangs)… suboptimal.

Den DSA-Spielern unter Euch dürften die Herrschaften von der abtrünnigen Drachengarde ein Begriff sein. Im Folgenden werde ich versuchen gekürzt, aber noch möglichst genau den Dialog zwischen unserer kleinen Gruppe und der Drachengarde mitten in den Schwarzen Landen bzw. einen meiner ersten Sätze der Runde am vergangenen Wochenende wiederzugeben…

>>Anführer Drachengarde (voller Verachtung): “Und wer seid ihr?”

Swanhild (unsere Hauptmännin, grüßt und antwortet zackig): “Hauptmännin Hundgeburt, Gruppe Irrlicht, unterwegs einen wichtigen Gefangenen abzuliefern.”

Anführer DG: “Gruppe Irrlicht? Nie gehört.”
(Er mustert uns alle und, man glaubt es kaum, schaut dabei noch angewiderter als vorher.)
“Gefangenentransport? Das ist euer Gefangener? Und wo sollt ihr diesen wichtigen Herrn hinbringen?”

Unsere Hauptmännin antwortet knapp.

Anführer DG: “Wer denkt sich denn so einen Schwachsinn aus?
[...]

Swanhild: “Der Befehl kam von ganz oben.”

Anführer DG (mit zunächst deutlich ironischem Unterton): “Dann seid Ihr also eine von diesen wichtigen Spezialeinheiten. [...] Pah. Feiglinge, Lumpenpack, elender Dreck. [...] Wie tief in den A**** der hohen Herren muss man denn kriechen, um in eine solch privilegierte Stellung zu kommen?”

Kedio (ich): “Wie tief hättet Ihr es denn gern?”<<


Was soll ich sagen. Ich bin mit ‘ner relativ leichten Wunde davongekommen. Was zugegebenermaßen nicht unbedingt mein Verdienst war. Btw: Tschuldigung, Leute! Wie war das mit dem Schuster und dem Leisten…

J.

P.S. an die Gruppe: Hat (trotz allem) viel Spaß gemacht! Bis zum nächsten Mal!


There can be only one… Plan B
Posted on Juni 28th, 2008 at 3:35 am by jaffa

Ähem. Team? Plan B? Könnte mir vielleicht einer mal das hier erklären?

plan b

plan b

Will sich einer von Euch schon zur Ruhe setzen? Ausgerechnet in Marburg? Und mit ‘ner Cocktail-Bar? Immerhin könnte ich dazu sicher die passenden Hawaii-Hemden beisteuern…

Oder hat der Hai einfach unseren Namen verkauft? Oder besser: “Vermietet” und kassiert jetzt Tantiemen von dem Laden.

plan b

Und wenn der Hai den Laden gekauft haben sollte: Wieso verkaufen wir Kölsch?!?!

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Ich werd’ mal in Erfahrung bringen, ob es einen Plan B-Spezial-Cocktail gibt. Würde mich mal interessieren, was da drin ist…

Matane, chummers!
MAD


The land of the Juhyo
Posted on April 17th, 2008 at 1:27 pm by jaffa

“This is the year 2054. The world has changed.”

Man kann sich ja lange über die Verbindung von Cyberpunk und Fantasy-Elementen in Shadowrun streiten. Wisst Ihr, was ich an der Mischung besonders schätze? Unberechenbarkeit. Da hast Du eine von High-Tech bestimmte Gesellschaft, den Versuch höchster Kontrolle – aber mit alten Spukgeschichten kann man gegebenenfalls dem härtesten Cyberzombie noch Angst machen. Wer weiß, ob da nicht doch was dran ist. Ich kenn’ da ein paar Leute, chummers, die hatten sich mal blöderweise mitten in ‘ner gottverlassenen Gegend von Tír na nÓg im Wald verlaufen…

Aber es gibt noch andere interessante Reiseziele (besonders seit 2011). Wie wär’s mit Japan.

Im Grenzgebiet der (heutigen) Präfekturen Yamagata und Miyagi, Region Honshu, liegt der Zao, ein aktiver Vulkan bzw. eigentlich eine Vulkangruppe. Grobes Gelände, Kraterseen und karge Vegetation wechseln mit dichten Waldlandschaften (Fotos? Hier!). Im Westen finden sich die heißen Quellen, nach denen das Gebiet Zao Onsen benannt ist. Dem Wasser der Quellen wird geradezu wundersame Heilkraft nachgesagt. Ein Stück weiter östlich, mitten im Nichts, befindet sich der Kratersee Okama, dessen eigentlicher Name goshiki numa (Weiher oder Sumpf der fünf Farben) ist. Das Wasser des Sees ist leicht sauer, leben tut da eigentlich nichts, aber es wechselt mehrmals am Tag die Farbe.
Und aus dieser faszinierenden Gegend stammen die Geschichten über die Juhyo, die Monsterbäume, Kinder von Yuki Onna, der Schneefrau. Regelmäßig zur Wintersonnenwende verwandelt sich der Wald auf dem höchsten Punkt des Zao-Gebirges, dem Gipfel Kumano, und die Monster erscheinen:

http://img329.imageshack.us/img329/8388/p1018762ea5.jpg

Wie man sieht, etwas lichtscheu…

Hier eine wandernde Gruppe:
http://www.flickr.com/photos/22782764@N08/2289191793/sizes/o/

Die Biester sollen “extrem gefährlich” sein. Was man sich darunter vorzustellen hat, weiß keiner so genau. Offensichtlich war nach einem Angriff niemand mehr in der Lage, darüber zu berichten…

Brave Samurai Dave hat sich den “deadly Juhyo” gestellt:

Und hier hat er für Euch noch jede Menge großer Monster-Bilder:
http://samuraidave.wordpress.com/2008/03/18/juhyo-japanese-monster-trees/

Also, falls Euch das Schicksal aus irgendwelchen Gründen mal in die Gegend verschlägt: Gute Reise, chummers!

J.


Einmal Abenteuer, bitte!
Posted on Februar 22nd, 2008 at 4:30 am by jaffa

… und letzte Nacht hatte ich sie. Meine eigene kleine Apokalypse. Als zwischen 2 und 3 Uhr in der gesamten Oberstadt der Strom ausfiel. Zap! Weg. Kompletto.
Lautes, entsetztes Kreischen, im ganzen Block hörbar (bestimmt) – von mir nämlich und meinem Nachbarn, die wir beide noch am jeweiligen PC sitzen und so tun, als würden wir arbeiten.
Nach “Oh Gott, das Netzteil!” und “Oh Gott, die Daten!” und dem unglücklichen Versuch (scheiß Kabel überall…!), in einem übermütigen Vorstoß den Sicherheitskasten wieder einzunehmen, stolpere ich im selben Moment auf den Flur wie mein Nachbar. Nur ist die Flurbeleuchtung leider auch tot. Und jetzt wird’s spannend. Mir wird nämlich klar: Der Strom ist weg. So richtig jetzt. Überall. Alle Elektrogeräte, Licht, Alarmanlagen – alles tot. Cool.
Meine Survival-Ausrüstung! Wo ist mein Rucksack mit dem ganzen Zeugs?! Ich stolpere durchs stockdunkle Zimmer. Hah! Die LED-Lampe taucht die Umgebung in blaues Licht. Zwischendurch mein Nachbar mit der Frage nach einem Plan: “Un’ jetzt?” Die Stadtwerke anrufen? Fängt doch grad an, Spaß zu machen. Hat irgendein ein Spaßvogel versucht, die Alarmanlage der Bankfiliale gegenüber lahmzulegen? Prima, jetzt sind überall die Lichter aus. Mein Nachbar: “Ablenkungsmanöver, oder was?” Das Licht flackert kurz auf. Beide stürzen an den jeweiligen Rechner. Ein elendig schriller Alarm tönt durch die ganze Nachbarschaft.
Alles o.k. Ich schaffe es, meinen Rechner runterzufahren – bevor der Strom auch wieder weg ist. Mein Nachbar flucht. Die Lage ist unklar. Das Licht flackert immer wieder. Ich, total Bruce Willis, in Unterhemd und ohne Schuhe, reiße die Haustür auf, in der Hoffnung auf Bösewichte. Wäre der ätzende Ton nicht, würde ich sagen: Alles ruhig. Mittlerweile ist das Licht wieder an und bleibt es auch. Mist. Allerdings bleibt auch der komische Alarm, den man bis in den hinterletzten Winkel hört. Frustriert stehe ich in der Haustür, während mein Nachbar vor mir ständig rein und raus hüpft. Das Geräusch mache ihn wahnsinnig.
Schließlich finde ich mich in Jogginghose, Hemd und offenen Kampfstiefeln zusammen mit meinem Nachbarn dumm auf der Straße stehend, vorm Kunsthaus und lauschend, als die Polizei vorfährt. Groß.
Sie fahren erstmal vorbei. Auch gut. Ich bin überzeugt, die Herren sind ohne meine Hilfe in der Lage festzustellen, dass es laut ist, auch wenn mein Nachbar erst noch anderer Meinung zu sein scheint.
Als ich die Story heute Mittag einer Bekannten erzählte, meinte die nur: “Ihr seid so bescheuert.” War doch nur ein Stromausfall. …

J.


>>>[Welcome to the shadows]<<<
Posted on Mai 13th, 2007 at 2:10 pm by jaffa

Punkt 1: anachorese

Willkommen in der Unterwelt. Glanzlos. Grell. Dreckig. Betäubend. Es ist natürlich Nacht. Ratten wagen sich nur in der Dunkelheit aus ihren Verstecken. Neonlicht und Lärm. Der Laden ist voll, ihr Mantel streift einige der Gäste während sie vorwärts geht, Richtung Theke. Ein Blick auf die Tanzfläche. Sie bestellt Whisky und wartet. Keine 2 Minuten später klingelt das Handy. Sie versteht kaum ein Wort. Nur „…hinten.“ Gebückt, mit der Linken das Telefon haltend, einen Finger im anderen Ohr, dreht sie sich um. Matze steht in der Tür neben der Theke und winkt, 3 Meter von ihr entfernt. Hagen steht neben ihm und brüllt in ein Handy. Sie klappt ihres zu, nimmt ihr Glas und steht auf. Die beiden Männer verschwinden in der Tür und sie folgt.

In einem der Privaträume hat Matze sein Deck angeschlossen. K tritt ein und schließt die Tür. „Was soll das, Jungs.“ „Hier. Schau Dir das an.“ Matze wirkt aufgeregt und Hagen dreht den Schirm in Ks Richtung. K seufzt. Sie schaut auf das Bild. Ein Mann, er liegt auf dem Bauch, neben seinem Kopf ist eine dunkle Pfütze. Im Hintergrund eine Garage. Hagen drückt eine Taste: Mehr Fotos. Der Winkel ist ein bisschen geändert. Matze steht hinter Hagen und nickt die ganze Zeit. „Seit wann machst Du Fotos von Leichen?“ K sieht ihm ins Gesicht. Read the rest of this entry »