Posted on September 12th, 2009 at 9:28 by jaffa
Gestern am späten Nachmittag bin ich aufgewacht und wusste nicht, welcher Tag ist. Nicht, dass das sonderlich bemerkenswert wäre. Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn ich mit dem Kugelschreiber in der Rechten und dem TippEx-Roller in der Linken aufgewacht wäre und beim Aufsetzen laut “Beschlossen und verkündet” gerufen hätte.
Was mich viel mehr irritierte war, dass ich mir sicher war, kurz zuvor noch in einem dunklen Zimmer mit Holzvertäfelung gesessen zu haben, zusammen mit einer Handvoll Leute, die ich nicht kannte und die, bewacht von einer Art Hausdrachen in Bluse und buntem Rock, über irgendwelchen Zetteln hingen und arbeiteten. Das heißt, ich selbst saß gar nicht, ich stand – weil ich allein nämlich keinen Aufgabentext bekommen hatte. Und genau das versuchte ich dem Hausdrachen klar zu machen. Der aber war der Meinung, man hätte mir ein Exemplar zugeschickt, ganz sicher und bestimmt. Nachdem ich ihr mit Nachdruck erklärt hatte, dass ich, ganz sicher und bestimmt, keinen Aufgabentext bekommen hätte und ich jetzt endlich auch mit der Klausur beginnen wolle, setzte sie sich seufzend in Bewegung.
Nach ein paar Minuten kam ein grauer Mann herein und übergab dem Drachen einen braunen Umschlag. Sie gab ihn an mich weiter. Ich öffnete ihn, zog das Papier heraus und starrte auf den Text. Die Gemütslage, in die mich der Blick auf das Papier versetzte, lässt sich im Nachhinein irgendwie schwer beschreiben. “Das ist eine Soziologiearbeit”, sagte ich zu dem Drachen. “Und sie ist über Alice im Wunderland”. Der Drache sah mich über den Rand ihrer Brille an. “Und?”
In dem Moment bin ich aufgewacht. Überflüssig zu sagen, dass ich nie Soziologie studiert habe. Wollte ich auch nie. Down the Rabbit Hole, through the Looking-Glass. Vielleicht sind die Gebrüder Grimm auf ähnliche Weise schließlich zum Märchen schreiben gekommen. 2 Wochen Klausuren.
It messes with your mind.
Alice’s Adventures in Wonderland, by Lewis Carroll
J.





